Studio Dan beweist im Grazer tube's: Musik ist zum Spielen da
Kronen Zeitung, Felix Jurecek, 2025-12-06
Mit zwei Fingern tippt sich Cellistin Maiken Beer an die Lippen. Sofort hebt Daniel Riegler vor ihr ein buntes Schild hoch. Gleich darauf ändert sich die Musik: Aus heiserem Fiepsen von Geige und Flöte wird eine ratternde Abfolge aus Zitaten. Was passiert als Nächstes?
In John Zorns "Cobra" bestimmen es die Musiker selbst. Das Musikstück - oder eher Regelwerk - ist eines jener "game pieces", die das neunköpfige Studio Dan bei seinem open-music-Konzert im tube's aufführt. Damit sind Kompositionen gemeint, die nicht festgelegt sind, sondern entlang gewisser Regeln frei "gespielt" werden - wie ein Brettspiel.
Chirurgisch präzise wird etwa im engen Raum von Christof Ressis "Paranoia-Maschine" auf Bildschirm-Befehle improvisiert. Danach gibt Peter Brötzmanns "Signs & Images" Spielkarten mit Zeichen aus, die die Musiker nach belieben interpretieren. Die Eingabe-Art gibt den Rahmen, etwa Tempo oder Dichte, vor. Die gewitzte Kreativität von Studio Dan erfüllt das Spiel der Klänge mit Leben.