Studio Dan

Studio Dan feat. Ingrid Laubrock & Tom Rainey

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Jazzpodium, Reinhold Unger, 2026-03-02

Vor drei Jahren erhielt Ingrid Laubrock von Daniel Riegler den Auftrag, für das von ihm geleitete Wiener Ensemble Studio Dan zwei Kompositionen zu schreiben. „Zones 1 & 2“ erlebten beim „Klangspuren“-Festival in Schwaz ihre erfolgreiche Uraufführung: ein perfektes Match, was nicht verwundert, sind doch beide, Laubrock wie Studio Dan, auf die Erkundung jener Zonen spezialisiert, in denen zeitgenössisch Notiertes auf non-idiomatisch Improvisiertes trifft. Um ein abendfüllendes Programm zu haben, hatte Riegler Laubrock im letzten Jahr um ein weiteres Werk gebeten, das im Notenblatt Interpretations- und Improvisationsspielräume vorsieht.

So erlebten nun „Zones 1 & 2“ auf einer Drei-Städte-Tour, deren letzte Station München war, ihre Wieder- und „Torn“ seine Uraufführung. Das neue Werk ist, wie die deutsche Saxophonistin kurz erläutert, „zerrissen“ zwischen den Entwicklungen in ihrer Wahlheimat USA, die jedes demokratisch und humanistisch gesinnte Individuum empören müssen (aber auch deprimieren können), und den ermutigenden Gegenbewegungen. Durch die Komposition(en) geht indes kein Riss, eher ein bewusstes Überspielen des Grenzverlaufs zwischen Komposition und Improvisation, zumal es auch Überlagerungen gibt, bei denen ein Teil des Ensembles kompositorisch Vorgegebenes zu spielen, ein anderer frei zu sein scheint, wie der Gesamtklang zu vervollständigen ist. „70 Prozent Komposition, 40 Prozent Improvisation“ hatte Laubrock vor Beginn der Proben geschätzt, vom spontanen Höreindruck würde man vielleicht eher 70:50 schätzen. Laubrock spielt mit Gegensätzen von Tonhöhen – hier Kontrafagott und Tubax (ein Kontrabasssaxophon), dort Piccoloflöte – und Dynamik, vehemente Tutti wechseln mit Passagen, in denen nur Geigerin Sophia Goidinger-Koch zauberhaft Mikroklänge knapp oberhalb der Hörbarkeit aus ihrem Instrument kratzt und kitzelt. Die neun Musiker (fünf männlich, vier weiblich) von Studio Dan machen das fabelhaft, intonieren präzise, wo mal ein Unisonothema dies erfordert, können, vor allem Trompeter Dominik Fuss, aber auch die vom Score gelassenen Freiräume beeindruckend füllen. Die Komponistin spielt ein expressives Sopransolo, ist ansonsten prima inter pares, in „Zones 2“ gibt es zudem ein lebhaftes Tenor/Drums-Duett.

Dass Laubrocks Ehemann Tom Rainey am Schlagzeug sitzt ist nicht Nepotismus, sondern Notwendigkeit: Rainey trommelt mit Stöcken, bloßen Händen, Besen, füttert einen rhythmischen Puls an, wo dies musikalisch sinnvoll ist, oder integriert sich als eine von elf Instrumentalstimmen ins Ensemble, wo angebracht – (noch) besser, intuitiver, gruppendienlicher kann das halt keiner. Wie es Laubrock gelingt, einen ganz eigenen ästhetischen Raum aufzuschließen, den so nur sie und ihre Mitstreiter in Echtzeit bespielen können, ist ein künstlerischer Triumph, quittiert mit Bravo-Rufen.