Wiens unbekanntes Opernfestival ist in Topform
diepresse.com, Dávid Gajdos, 2026-09-18
Die Musiktheatertage Wien bieten gruseliges Musiktheater nachts im Stephansdom, eine musikalische Begehung des Wasserturms Favoriten und andere Leckerbissen.
Wenn die Daseinsberechtigung von Festivals ist, Außergewöhnliches in den Alltag zu zaubern, dann erfüllen die Musiktheatertage ihren Zweck in dieser Saison fabelhaft. [...] Am gleichen Abend lief im MuTh mit „The Sailmaker’s Wife“ eine weitere erfolgreiche Premiere der MTTW über die Bühne. Komponistin Kristin Norderval und Librettist Julian Crouch verarbeiteten eine japanische Fabel zu einem berührenden Kammerdrama über Liebe, Gier und Kapitalismus. Es ging um einen armen Segelweber (Steven Scheschareg), der einen Kranich rettete (Kaoko Amano), der wiederum als Dank in Form einer Frau bei ihm einzog. Sie webte ihm widerwillig drei magische Segel, die Reichtum, Überfischung und das Ende der Liebe zwischen den beiden Protagonisten bewirkten.
Szenisch und dramaturgisch brachte Regisseurin Theresa Jarczyk das Stück mit minimalen Mitteln auf die Bühne. Sie begnügte sich mit ein paar Projektionen von Umweltverschmutzung und Schwerindustrie auf hängende Tücher, die auch die Segel verkörperten. Die Schlichtheit der Bühne und der Handlung war eine der Stärken des Abends, die zweite war die Musik: Norderval hat keine Angst vor reinen Harmonien, das Stück wirkt trotzdem kein bisschen antiquiert. Fünf Musiker von Studio Dan spielten auf der Bühne auch schauspielerisch mit und interpretierten die fließende, oft rhythmisch pulsierende Musik Nordervals mit ansteckender Leidenschaft. [...]
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